Ausstiegshilfe

Veröffentlicht in: Kanu | 1

Ein Beitrag von Matthias Günther.

Seit Jahren schon wird bei uns über die Möglichkeit einer Ausstiegshilfe für ältere und gehandicapte
Paddler diskutiert. Auch ich hatte mich zunächst an dieser Diskussion beteiligt. Da sich damals andere
Mitglieder intensiv damit beschäftigen wollten und ich sowieso wenig Zeit hatte, konnte ich mich
dann aus der Planung rausgehalten. Leider kristallisierte sich relativ schnell heraus, dass die damals
entstandene Ausstiegshilfe nicht so funktionierte, wie sie gedacht und erhofft war. Jedenfalls war
dies aus vielen Gesprächen herauszuhören.


Seit einiger Zeit bereits verfolgte ich auch einen anderen Ansatz. Die Idee war, ein „Hebegerät“ zu
entwickeln, mit dem sich ein Paddler unabhängig von der Tide, selbst aus dem Wasser heben oder
kurbeln kann, damit er aus einem fest auf dem Boden liegenden Boot aussteigen kann. Da meine
Ideen alle eine komplizierte Mechanik erfordert hätten, schlief auch dieser Ansatz wieder ein. Bis
hierhin waren es bei mir drei Evolutionsstufen.


Erst die vierte Evolutionsstufe brachte Aussicht auf Erfolg. Eine Langgutpalette, also ein
Transportgestell aus der Industrie, sollte es werden. Da ein Eigenbau für eine Erprobung zu teuer
geworden wäre, suchte ich etwas Gebrauchtes. Aber es war nicht möglich, eine gebrauchte Palette
mit den passenden Abmessungen zu finden. Fast zwei Jahre habe ich immer wieder im Internet
gesucht und die Schrottplätze der Region abgeklappert.


Und dann schlug das Leben zu…


Wie viele von euch wissen, hatte ich 2018 einen schweren Arbeitsunfall, bei dem ich fast meinen
linken Arm verloren hätte. Wie sich später herausstellte, erlaubte mir die zurückgebliebene
Einschränkung zwar den Einstieg ins Boot, auch das paddeln ist weiterhin möglich, allerdings komme
ich ohne fremde Hilfe „nur noch durch Kentern“ aus dem Boot raus. Auf der Ochtum ist dies aber
nicht unbedingt erstrebenswert. Tja, oft im Leben ist es ja so, das man erst selbst Betroffen sein
muss, um sich richtig ernsthaft mit einem Thema auseinanderzusetzen. So auch bei mir. „ICH WILL
WIEDER INS BOOT“. Allerdings ließ mir die Reha in dieser Zeit auch nicht viel Raum für kreative Ideen
oder ähnliches.


Und dann schlug der Zufall zu…

„Fundsache“


Bei einem Besuch bei meinen alten Kollegen in Bassum, stand sie da: gebraucht, grün und genau die
Abmessungen die ich suchte. Mit meinem Ex-Chef „Heini“, den einige von euch ja auch kennen, bin
ich mir schnell einig geworden und die Palette wechselte den Besitzer.

Es zog sich dann noch bis in den Sommer 2020, bis ich die ersten Umbauten an der Palette
vornehmen konnte. Der Plan war: Die „Evolution IV“ auf unserem internen Sommerfest zu erproben.
Genauso wie das Sommerfest, war auch die Erprobung ein voller Erfolg. Viele Mitglieder haben ihr
beigewohnt und manche haben die Ausstiegshilfe selbst erprobt.
Einhellige Meinung: SEHR GUT !


Nach einigen Gesprächen und Änderungsvorschlägen, sowie die Festlegung des Montagestandortes
kann ich nun die restlichen Arbeiten an der Ausstiegshilfe in Angriff nehmen. Ich hoffe, dass eine
Probemontage noch in diesem Spätsommer vorgenommen werden kann. Spätestens im Frühjahr 2021 wird der „Wassersportverein Warturm e.V.“ dann über eine für fast alle K1 Boote brauchbare Ausstiegshilfe verfügen.

  1. Christian Neumann

    Hallo Matthias,
    ein wirklich sehr interessanter Beitrag!
    Könntest Du vielleicht ein Video von einem Ein- und Ausstieg aufnehmen und veröffentlichen?
    Ich denke, dass würde viele Fragen beantworten.
    LG
    Christian

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